Jonna: Welche Rolle spielen Zahlungsziele heute im B2B-Handel?
Malte: Zahlungsziele haben im B2B-Geschäft eine lange Tradition und gehören für viele Einkäufer:innen längst zum Standard. Wer auf Rechnung mit 30, 60 oder auch 90 Tagen Zahlungsziel einkaufen kann, schont seine Liquidität und behält finanzielle Flexibilität – gerade bei größeren Bestellmengen oder saisonalen Schwankungen ist das ein entscheidender Faktor. Wie wichtig das Thema für Händler selbst geworden ist, zeigt auch euer aktuelles B2BEST Barometer: 87 % der befragten Hersteller und Großhändler beobachten klare Unterschiede im Zahlungsverhalten einzelner Kundengruppen – drei Viertel wollen deshalb in den kommenden zwölf Monaten gezielt in digitale Payment-Lösungen investieren. Konkret bedeutet das: Zahlungsziele sollen heute nahtlos im Online-Checkout verfügbar sein – inklusive sofortiger Bonitätsprüfung und Kaufentscheidung in Echtzeit. Aus dem reinen Zahlungsmodalitäten-Thema wird so ein strategischer Hebel, der sich direkt im Vertrieb und im Wachstum bemerkbar macht.
Jonna: Was verändert sich, wenn Rechnungen direkt vorfinanziert werden?
Malte: Das ist tatsächlich der entscheidende Punkt für Händler. Klassischerweise gewährt ein Händler seinem Kunden ein Zahlungsziel, trägt dabei aber selbst das volle Risiko und muss auf sein Geld warten, teils über Wochen. Das belastet den eigenen Cashflow und bindet Kapital, das anderswo fehlt. Wird die Rechnung hingegen sofort vorfinanziert, erhält der Händler seinen Umsatz direkt nach Auslieferung der Ware oder Leistung ausgezahlt, unabhängig davon, wann die Einkäufer:innen tatsächlich zahlen. Der Händler kann also seinen Kund:innen ein langes Zahlungsziel anbieten, ohne selbst in Vorleistung zu gehen. Das verändert die Kalkulation grundlegend: Wachstum wird nicht durch fehlende Mittel limitiert.
Ein gutes Beispiel dafür sind Großhändler aus der Solarbranche, mit denen wir zusammenarbeiten. Ihre häufigsten Kund:innen sind Installateure, die ihre Lieferanten oft erst bezahlen, nachdem sie selbst von ihren Endkund:innen bezahlt wurden – bis dahin können Wochen vergehen. Durch die Vorfinanzierung der Rechnungen können unsere Großhändler ihren Geschäftskund:innen genau dieses Zahlungsziel anbieten, ohne selbst in Vorleistung zu gehen. Das Ergebnis: spürbar gestiegene Conversion und eine hohe Annahmequote, dank des ausgelagerten Risikos.
Jonna: Welche Rolle spielen Gebühren bei Rechnungskauf oder Ratenzahlung?
Malte: Genau hier vollzieht sich gerade der eigentliche Umbruch. Lange wurde Rechnungskauf primär als Kostenfaktor betrachtet – als Serviceleistung, die man seinen Kund:innen eben bietet, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir sehen aber zunehmend, dass Händler Gebühren auf längere Zahlungsziele oder auf Ratenkäufe erheben und damit eine neue, planbare Einnahmequelle erschließen. Wer zum Beispiel ein Zahlungsziel von 60 statt 14 Tagen wählt, zahlt dafür einen kleinen Aufschlag; wer in Raten zahlt, ebenfalls. Für Kund:innen ist das ein fairer Deal, da sie im Gegenzug finanzielle Flexibilität erhalten. Für Händler wird aus einer vermeintlichen Kostenstelle ein zusätzlicher Ertragsposten, der sich bei entsprechendem Bestellvolumen durchaus sehen lassen kann. Entscheidend ist dabei, die Gebührenstruktur transparent und kundenfreundlich zu gestalten, damit sie nicht als Hürde, sondern als sinnvolle Option wahrgenommen wird.
Jonna: Wie hat sich die Erwartung an Payment im B2B verändert?
Malte: Geschäftskund:innen erwarten heute im B2B das, was sie aus dem B2C-Bereich gewohnt sind: sofortige, digitale und reibungslose Zahlungsprozesse. Das betrifft nicht nur die Auswahl an Zahlungsmethoden, sondern auch die Geschwindigkeit der Entscheidung. Eine manuelle Bonitätsprüfung, die Tage dauert, akzeptiert heute kaum noch jemand. Gleichzeitig ist das Bewusstsein für die finanziellen Vorteile flexibler Zahlungsoptionen gewachsen – Einkäufer:innen kennen den Wert eines langen Zahlungsziels für ihr eigenes Liquiditätsmanagement und sind zunehmend bereit, dafür auch eine Gebühr zu zahlen, wenn der Prozess dafür einfach und verlässlich ist. Für Händler bedeutet das: Payment ist längst kein reines Backoffice-Thema mehr, sondern ein aktiver Baustein der Vertriebsstrategie und der Kundenbindung.
Jonna: Was unterscheidet einen guten B2B-Checkout heute von einem guten B2C-Checkout?
Malte: Die Grundprinzipien sind ähnlich: schnell, unkompliziert, mit den richtigen Zahlungsoptionen an der richtigen Stelle. Der entscheidende Unterschied liegt aber in der Komplexität im Hintergrund. Im B2B geht es oft um größere Warenkörbe, wiederkehrende Bestellungen, individuelle Kreditlimits und mehrstufige Freigabeprozesse innerhalb der einkaufenden Unternehmen. Ein guter B2B-Checkout muss all das abbilden können, ohne dass die Kund:innen davon etwas merken – also im Hintergrund Bonität prüfen, Kreditlimits verwalten und Rechnungen vorfinanzieren, während der Kunde vorne nur einen einfachen, vertrauten Klick-Prozess erlebt.
Während im B2C oft ein einmaliger Kauf im Fokus steht, zahlt ein guter B2B-Checkout zusätzlich auf die langfristige Geschäftsbeziehung ein: Überzeugen Händler hier mit Verlässlichkeit, Tempo und dem passenden Zahlungsmix, sichern sie sich nicht nur den einzelnen Auftrag, sondern auch wiederkehrende Bestellungen und eine engere Kundenbindung. Ein „Digital Trade Account“ zeigt das gut: Käufer:innen erhalten ein Einkaufslimit, mit dem sie mehrere Bestellungen tätigen können, die dann in einem einzigen Kontoauszug mit gemeinsamem Fälligkeitsdatum zusammengefasst werden – statt jede Rechnung einzeln zu begleichen – was den administrativen Aufwand spürbar senkt.
Jonna Sperlich
Als Key Account Managerin verantwortet Jonna Sperlich am ECC KÖLN (eine Tochtermarke des IFH KÖLN) die Betreuung und Weiterentwicklung des ECC CLUB – die familiärste Community der Handelsbranche. In ihrer Rolle ist sie zentrale Ansprechpartnerin für die rund 360 Mitgliedsunternehmen, begleitet sie beratend und bringt als Vernetzerin die richtigen Akteure und Themen zusammen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Mehrwert für die Mitglieder: Der ECC CLUB bietet Zugang zu aktuellen Studienergebnissen, exklusiven und informativen Events mit starkem Networking-Fokus sowie vielfältigen Möglichkeiten zur Sichtbarkeit und Platzierung innerhalb des Netzwerks.